Diverser Antirassismus

Wer die linken Debatten verfolgt, hat vor vielen Jahren schon den Text Decolorise it gelesen. Darin wird die Critical Whiteness kritisiert und gesagt, dass sie selbst rassistisch ist, weil sie die Hautfarbe zu einem Auswahlkriterium macht.

In linken Kreisen ist dieser Gedanke also schon vor Jahren angekommen.

Ich rede allerdings nicht nur mit linken Kreisen.

Aufmerksame Lesende dieses Blogs und erst recht meiner Nerd-Seite wissen, dass es mit der Diversität kompliziert ist und der Zugang zu ihren Segnungen nach meiner Ansicht zurzeit vor allem eine Machtfrage ist, die nach aufmerksamkeitsökonomischen Kriterien verhandelt wird. Das kann man gut finden oder schlecht, schlecht vor allem dann, wenn man selber das wichtigste Merkmal der Queerness mitbringt, nämlich das Opfer-geworden-sein (und damit zumindest viele erlebte Abwertungen, Angst, Depression und schlechteren Zugang zu Machtpositionen und zum Arbeitsmarkt, vielleicht auch Traumatisierung).

Die Thüringer Grünen haben jetzt das Neumitglied Doreen Denstädt zur Ministerin gemacht. Tja. Ist ja eh bald Wahl und vielleicht fliegen sie dann aus dem Landtag. Oder auch nicht. Ist nicht so sicher, warum sie Ministerin wurde, vielleicht, weil sie Polizistin ist, vielleicht war es ihr Grünen-typischer oberflächlicher Zugang zu Trollerei, denn sie nennt sich bei Twitter “Anti-Troll”. Aus meiner Sicht übermutig und nicht so von Klugheit geprägt, aber sie ist halt bei den Grünen. Die haben auch schon eine “Netzfeuerwehr” gegründet, weil sie keine Lust auf andere Sicht- und Lebensweisen haben. Da muss man sich nicht wundern, dass die Mitglieder so drauf sind und den Schmutz eben aus dem Internet haben wollen, damit sie gemütlicher ihrem poplinken Lebensstil (Bio für den Körper) nachgehen können. Selbst Kathrin Henneberger, die uns allen jahrelang vorspielte, eine echte Aktivistin zu sein, hat sich jetzt entlarvt. Mich stört das alles nicht so sehr, das ist eben der Zeitgeist. Er hat ja auch Vorteile, zum Beispiel für manche Frauen.

Nebenbei gesagt, finde ich es gar nicht so schlecht, das Verwaltungsrecht als Basis der Behörden des Staats ins Gespräch zu bringen. Und Verwaltungsrecht kann Denstädt als Polizistin. Vielleicht ist sie schlicht als Ministerin vorgesehen, weil sie in den letzten zwei Jahren bessere Arbeit als andere gemacht hat.

Das würde man in linken Kreisen vielleicht denken. Ich rede aber eben nicht nur mit linken Kreisen.

Für meinen Freund Michael, den ich von den Bonner Grünen kenne, ist die Nachricht Gelegenheit, auf Denstädts Hautfarbe hinzuweisen. Er ist kein Linker mehr, sicherlich auch wegen der arroganten Art der Bonner Grünen, die war sicher auch der Grund, warum er beim letzten Parteitag, der in Bonn stattfand, das Plakat “Willkommen in der Grünen Hölle” hochgehalten hat. Es gibt aber auch viele andere Gründe.

Hätte ich mich nicht über diesen oberflächlichen Zugang Michaels geärgert, dann hätte ich vielleicht den Witz gemacht, dass Doreen Denstädt ja ein ziemlich ostdeutsch klingender Name ist.

Decolorise it!

Wenn wir Freiheit wollen, dann sollten wir bei uns anfangen. Wir sollten besser sein als die Oberflächlichen, die unsere Welt nach Farben und Geschlechtern einteilen wollen. Rassismus ist niemals der Freiheit dienlich, denn er sagt: “Deine Nase gefällt mir nicht, du musst dumm sein”. Allesamt, die die Welt nach Farben und Geschlechtern einteilen wollen, von links und rechts, allesamt, die ihren Mund darüber nicht halten können, sind dumm. Aber es ist egal. Dumm ist nicht automatisch rassistisch. Die meisten Menschen sind dumm. Man soll an sich auch gar nicht dumm sagen, sondern “eher weniger von Klugheit geprägt”.

Wenn wir Freiheit wollen, dann müssen wir einsehen, dass hinterfotzige Witze und andere Worte, die uns aus dem Mund fallen, schlecht sind. Wenn wir nicht reden können – und wenn uns der rassistische Affekt aus dem Mund fällt, dann ist das kein Reden – dann sollten wir schweigen.

Und weiter nachdenken.

Wenn wir glauben, dass die Grünen die neuen Nazis sind, weil sie die Menschen auch in äußerliche Kategorien einteilen, ja sogar nach dem Kriterium der Hautfarbe, dann müssen wir hierfür Argumente finden. Ich finde keine Argumente.

Es gibt kein Auschwitz, in das mich die Grünen gebracht haben.

Ich bin dieses Kriegs müde.

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