Nach Sonnenuntergang

Nacht, drinnen.

Das letzte Mal habe ich auf die nächtliche Tour im Mai 2012 einen Text geschrieben. Danach nie wieder.

Die Ruhe. Die Zeit. Der Text. Ich kann es einfach besser. Ich bin sehr gut.

Das ist jetzt mehr als zehn Jahre her. Der letzte Text, unangenehm, er ist nicht mal online auf der FAZ erschienen. Mir wurde gesagt, er sei gut, aber wen interessierte das noch. Ich, ein Versager. Ich, ein Opfer. Meine Motivation war schlicht dahin. Alles verbrannt, alles zerstört, kein Selbstbewusstsein für die FAZ, mit der ich eine Zusammenarbeit vereinbart hatte – kurz darauf, im Herbst 2011, war ich wie nach einem Schock an meine dunkle Jugend erinnert worden. Wer will da noch texten, wenn die Scham regiert? Wer will Schönes schaffen, wer weiß, im Inneren voll Schmutz zu sein? Ich quälte mich nur noch dahin, sich zu betäuben wurde wichtiger und ich hatte seither niemals mehr Spaß am langen Arbeiten an einem Text. Wofür? Damals ging es noch nicht ums Geld.

Nachts? Warum noch für etwas wach sein? Schlafen kannst du, wenn du tot bist, war mit 20 meine Devise. Später wollte ich nur noch schlafen, in einen künstlichen Schlaf gezwungen sein so wie die Zwillinge im “Doppelten Lottchen”. Eternal Winterschlaf – wie ein kleiner Bär.

Mein Hassfreund N. sagte mal, er programmiere nicht gern, er würde es halt können und damit leichtes Geld verdienen. Er würde dann einfach dasitzen und Teil für Teil der Funktion schreiben.

So geht es mir auch. Ich sitze einfach da und schreibe Teil für Teil des Textes. Im Studium habe ich das oft gemacht und es hat mir Spaß gemacht. Abgabe. Die ganze Nacht dasitzen und Teil für Teil des Textes schreiben.

Dasitzen. Schreiben.

Text.

Nacht, drinnen.

Vor Sonnenaufgang.

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